Medialität oder Psychose?

erdung medialität psychose schizophrenie Sep 21, 2026

Kennst du diesen Moment?

Du erzählst von einer spirituellen Erfahrung, die dich tief berührt hat. Von einem inneren Bild oder einer Begegnung mit der geistigen Welt. Dein Gegenüber schaut dich irritiert an. Und plötzlich steht eine Frage im Raum, vor der du dich als spirituelle Frauen insgeheim am meisten fürchtest:

„Bist du sicher, dass du dir das nicht einbildest?"

oder noch schlimmer:

"Sicher, dass du nicht schizophren bist?“.

Was gerade noch ein kostbarer Teil deines Lebens war, fühlt sich auf einmal an wie etwas, das du besser versteckt hättest. In meiner Welt ist es mir deshalb besonders wichtig, dass wir im Kreis gleichgesinnter Frauen über Medialität sprechen können, ohne einander zu pathologisieren. Und auch, dass wir über psychische Erkrankungen sprechen können, ohne die betroffenen Menschen abzuwerten. 

Meine Arbeit als Medium und Priesterin beruht auf dem Wissen, dass Medialität existiert und dass die Verbindung mit der geistigen Welt unser Leben bereichert, wenn wir sie bewusst leben. Ich sehe darin einen Dienst an der Menschheit, der mit großer Verantwortung verbunden ist. Zu dieser Verantwortung gehört, die eigene Wahrnehmung sorgfältig einzuordnen und die Gesundheit der Menschen zu achten, die uns vertrauen.

Die Forschung liefert dafür einen hilfreichen Ausgangspunkt: Auch Menschen ohne psychotische Erkrankung berichten von Stimmen und außergewöhnlichen Wahrnehmungen. Spirituelle Erfahrungen allein reichen für eine solche Diagnose gar nicht aus. Die Frage nach ihrem Ursprung spiritueller Erfahrungen bleibt aus wissenschaftlicher Sicht aber offen.

Was Medialität, Psychose und Schizophrenie bedeuten

Mit Medialität meine ich spirituelle Erfahrungen, die innerhalb einer spirituellen Perspektive als Wahrnehmung geistiger Zusammenhänge oder/und als Kontakt mit der geistigen Welt verstanden werden. Dazu können innere Bilder gehören, ein intuitives Wissen oder andereüber die Hellsinne empfangene Eindrücke. Eine Psychose bezeichnet einen Zustand, in dem das Denken und die Wahrnehmung so verändert sein können, dass es schwerfällt, zwischen innerem Erleben und äußerer Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie kann im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen auftreten. Auch Substanzen oder ausgeprägter Schlafmangel können eine Rolle spielen. Eine psychotische Episode bedeutet deshalb auch nicht automatisch, dass jemand an Schizophrenie erkrankt ist.

Schizophrenie ist eine bestimmte psychische Erkrankung, bei der neben psychotischen Symptomen beispielsweise Veränderungen des Antriebs oder Einschränkungen des Denkens auftreten können. Ihr Verlauf ist unterschiedlich, und schulmedizinische Behandlungen stehen zur Verfügung. Eine Diagnose erfordert eine fachliche Untersuchung des Gesamtbildes durch einen Psychiater. Ein spiritueller Glaube oder eine einzelne ungewöhnliche Erfahrung genügt dafür nicht.

Was die Forschung über Medien herausgefunden hat

Albert Powers und sein Team an der Yale University verglichen unter anderem Menschen mit psychotischen Erkrankungen mit selbst bezeichneten hellhörigen Medien ohne Behandlungsbedarf. Trotz ähnlicher Wahrnehmungen berichteten die Medien über mehr Kontrolle und weniger Belastung. Interessant ist auch, dass die erste Reaktionen ihres Umfelds häufiger positiv war. 

Eine weitere Untersuchung von Tanya Luhrmann und Kolleginnen und Kollegen beschäftigte sich mit 22 Menschen, die Stimmen hörten, ohne klinische Hilfe zu benötigen. Fast alle beschrieben positive Auswirkungen auf ihr Leben. Viele deuteten ihre Erfahrungen spirituell und berichteten davon, den Umgang damit gelernt zu haben. Gleichzeitig zeigten sich große Unterschiede darin, was die Einzelnen überhaupt als Stimme bezeichneten. Die Forschenden weisen darauf hin, dass kulturelle Vorstellungen auch beeinflussen können, wie Gedanken wahrgenommen und eingeordnet werden.

Medialität oder Psychose: Der Selbsttest

Mediale Entwicklung muss deine Selbstbestimmung stärken. Du musst entscheiden können, wann du dich der geistigen Welt zuwendest und wann die Physis deine Aufmerksamkeit braucht.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Kannst du deine täglichen Aufgaben erfüllen und deine Beziehungen pflegen?
  • Erlebst du die Wahrnehmungen als bereichernd, ohne dass sie dein Leben bestimmen?
  • Kannst du eine andere Erklärung erwägen und akzeptieren, dass ein Eindruck falsch sein könnte?
  • Hast du die Freiheit, eine vermeintliche Botschaft nicht umzusetzen?

In der psychologischen Fachliteratur gelten die folgenden Kriterien als Hinweise auf nicht krankhafte spirituelle Erfahrungen:

  • geringe Belastung,
  • erhaltene Alltagsfähigkeit und
  • Kontrolle über die Erfahrung

Der kulturelle Zusammenhang gehört ebenfalls dazu. Diese Orientierung ersetzt keine Diagnostik. 

Medialität und Schamanismus in der Menschheitsgeschichte

In vielen Gesellschaften gibt es Menschen, deren Aufgabe darin besteht, zwischen dem menschlichen Leben und der geistigen Welt zu vermitteln. Die konkreten Traditionen unterscheiden sich erheblich. Der Begriff Schamanismus wird für viele, sehr verschiedene Praktiken verwendet. Stanley Krippner beschreibt in seiner fachlichen Übersicht sowohl die soziale Bedeutung solcher Rollen als auch das bewusste Verändern von Aufmerksamkeit und Bewusstseinszuständen. Er behandelt außerdem die Geschichte psychiatrischer Deutungen, in denen schamanische Erfahrungen teils vorschnell als Krankheit verstanden wurden. Die verbreitete Existenz solcher Traditionen zeigt, dass außergewöhnliche spirituelle Erfahrungen in den meisten Gesellschaften der Menschheitsgeschichte einen wichtigen kulturellen Platz haben.

Der Gedanke, eine überwältigende Erfahrung könne durch Begleitung und Einbettung besser integriert werden, verdient Aufmerksamkeit. Auch wissenschaftlich wird über gemeinsame Mechanismen von schamanisch gedeuteten Erfahrungen und psychotischem Erleben diskutiert. Daraus lässt sich jedoch aus wissenschaftlicher Sicht nicht ableiten, Schizophrenie sei einfach eine unvollendete Initiation oder das Ergebnis fehlender Erdung. Das ist eine spirituelle Deutung, für die es keinen ausreichenden medizinischen Beleg gibt. Eine Initiation kann innerhalb eines spirituellen Weges Bedeutung haben. Als Behandlung einer Psychose ist sie nicht belegt.

Wenn andere bestätigen, was du wahrgenommen hast

Hast du Dinge ausgesprochen, die du nicht wissen konntest, und ein anderer Mensch hat sie bestätigt?

Solche Momente sind berührend und für deinen spirituellen Weg bedeutsame Meilensteine. Halte sie unbedingt in deinem Grimoire, deinem spirituellen Tagebuch, fest. Notiere aber ebenso, was nicht zutraf oder unklar blieb. Diese Aufzeichnungen dienen dir im Rahmen deiner medialen Reise, um deine Wahrnehmung besser kennen und einschätzen zu lernen. So entwickelst du langfristig Klarheit über die wichtige Frage: Intuition oder Ego? 

Außerdem ist es sehr wichtig für eine gesunde mediale Praxis, dich regelmäßig zu erden.

Erdung im Alltag

Erdung im Alltag bedeutet, mit dem eigenen Körper und deinem gegenwärtigen Leben fest und liebevoll verbunden zu sein. Im Alltag kannst du Erdung, im Gegensatz zu Zeremonien und Ritualen, als gleichbedeutend mit Nervensystemregulation verstehen. Alltags-Erdung ist am besten so einfach für dich umzusetzen, dass es dir nach einer Phase des Angewöhnens, die üblicherweise ca. 21 Tage dauert, ganz leicht fällt. Einfach umsetzbare Anregungen sind zB:

  • deine Füße auf dem Boden spüren,
  • dich genau im Raum umsehen und
  • genau beschreiben, was du gerade wahrnimmst, wo du gerade bist.
  • Du kannst deine Eindrücke gerne laut aussprechen oder die Übung gedanklich machen.
  • Du kannst 3-5 sichtbare Gegenstände benennen, ihre Farben beschreiben und anschließend
  • eine einfache, vertraute Alltagstätigkeit aufnehmen, etwa aufräumen, kochen,...
  • Atme dabei ruhig in deinem eigenen Rhythmus.

Solche Übungen richten die Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Umgebung und damit auf die physische Welt. Als Hilfe zur Stressregulation sind sie sogar wissenschaftlich belegt, obwohl die Schulmedizin natürlich keine Aussage zur spirituellen Wirksamkeit tätigt.

Besonders wichtig für deine geerdete Medialität ist auch dein Schlaf. Wenn du abends nach einer Meditation oder spirituellen Praxis aufgedreht bist, solltest du die Praxis zu verkürzen, pausieren oder auf morgens verschieben. Wenn sich das nicht bessert und eine Übung dich destabilisiert, musst du sie nicht als spirituelle Prüfung durchhalten. Du solltest außerdem niemals eine spirituelle Erfahrung durch Schlafentzug oder Substanzen erzwingen. Das würde bedeuten, die für geerdete Medialität so wichtige saturnische Schranke zwischen dieser Welt und der geistigen Welt gewaltsam einzureißen. Schulmedizinisch betrachtet kann es psychotisches Erleben begünstigen.

Für eine geerdete spirituelle Praxis beginne und beende jede Übung bewusst indem du die Erdenergie spürst. In meinen Online-Tempel-Räumen lernst du konkret, wie das geht.

 

Wann du dir medizinische Unterstützung holen solltest

Zeitnahe ärztliche Abklärung, ist sinnvoll, wenn

  • Ungewöhnliche Wahrnehmungen plötzlich neu auftreten, deutlich zunehmen oder deinen Alltag verändern.
  • du anhaltenden Schlafverlust erlebst,
  • dich zunehmend sozial zurückziehst 
  • du Schwierigkeiten hast, deine Gedanken zu ordnen
  • du das Gefühl hast, verfolgt oder von außen gesteuert zu werden,
  • du Botschaften bekommst, die dich bedrohen oder zu gefährlichen Handlungen drängen.
  • du die Überzeugung hast, gänzlich unverwundbar zu sein oder über außergewöhnliche Macht zu verfügen, die nur du hast
  • du dich zunehmend jeder anderen Erklärung verschließt
  • Menschen die du lange kennst und, denen du vertraust, eine starke Veränderung bemerken

Wenn du dich für einen Arztbesuch entscheidest, ist es dein Recht, bei einem Termin ausdrücklich zu sagen, dass deine Spiritualität dir wichtig ist und du dir eine respektvolle Einordnung wünschst. Wenn das bei einem bestimmten Arzt, Psychologen, Therapeuten oder anderen Spezialisten nicht gegeben ist, würde ich persönlich nach einer anderen Person suchen. Wenn du wie gesagt keine oder nur eine geringe Belastung erlebst und fähig bist, deinen Alltag normal zu bewältigen und die spirituellen Erfahrungen eigenmächtig zu beenden, wird auch ein Arzt dir wahrscheinlich bestätigen, dass alles in Ordnung ist. Hausärztliche oder psychiatrische Abklärung berücksichtigt auch körperliche Ursachen. Wenn du dir unsicher bist, solltest du bis zur Abklärung Übungen pausieren, die das Erleben verstärken. 

 

Was du auf die Frage „Bist du nicht einfach verrückt?“ antworten kannst

Du darfst eine Grenze setzen:

„Du musst meine spirituelle Sicht nicht teilen. Ich erwarte aber, dass du respektvoll mit mir sprichst.“

Wenn du bestätigte Wahrnehmungen gemacht hast, könntest du formulieren: „Ich habe Erfahrungen gemacht, die auch durch Rückmeldungen anderer bestätigt wurden. Deshalb verstehe ich sie als wahr.“ 

Wenn hinter der Frage echte Sorge steckt, könnte deine Antwort lauten:

„Ich nehme meine Spiritualität ernst und achte darauf, wie es mir damit geht. Was genau hast du beobachtet, das dir Sorgen macht?“

Dadurch wird aus einer pauschalen Bewertung ein Gespräch über konkrete Veränderungen. 

Bei wiederholter Abwertung kannst du das Gespräch beenden. Gleichzeitig lohnt es sich, für die konkrete Sorge vertrauter Menschen erreichbar zu bleiben. Respekt und die Bereitschaft zur Selbstreflexion gehören zu einer liebevollen zwischenmenschlichen Beziehung.

Dein spiritueller Weg ist valide

Ich wünsche mir für die Erde, dass Frauen ihr Geburtsrecht der Medialität erkunden und leben können, ohne sich dafür zu schämen. Deshalb möchte ich einen Raum schaffen, in dem Frauen über ihre Erfahrungen offen sprechen können und zugleich lernen, sorgfältig und souverän mit ihnen umzugehen. Wenn du dich auf diesem Weg entwickeln willst, suche dir eine Begleitung, die auch deine Grenzen wahrt. Du darfst deiner spirituellen Entwicklung Raum geben und dabei gut für deine Gesundheit sorgen. Beides gehört für mich zur geerdeten Medialität.

Bis bald im Tempel!

xx Ines

 

 

 

Dieser Artikel verbindet meine spirituelle Perspektive mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und allgemeiner Orientierung. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Beratung. 

 Die klinische Frage nach Behandlungsbedarf und die Frage nach einem übernatürlichen Ursprung einer Erfahrung sind unterschiedliche Forschungsfragen. Aus nicht krankhaftem Stimmenhören folgt kein Nachweis eines Kontakts zur geistigen Welt. Auch ein vermeintlich bestätigter Kontakt ist kein Verfahren, um eine psychische Erkrankung auszuschließen. Die im Artikel vorgeschlagenen Antwortformulierungen und Regeln für eine respektvolle spirituelle Praxis sind redaktionelle Empfehlungen, keine wissenschaftlich getestete Intervention. Die Aussage, Schizophrenie sei unvollendete Initiation, wird ausdrücklich als unbelegte Deutung behandelt.

Die Quellenrecherche erfolgte mithilfe von KI:

  1. Powers, Kelley und Corlett (2017): Varieties of Voice-Hearing: Psychics and the Psychosis Continuum.Schizophrenia Bulletin, 43(1), 84 bis 98. Vergleichende Beobachtungsstudie, besonders relevant für Kontrolle und Belastung. Kleine, ausgewählte Stichprobe; kein Wirksamkeitsnachweis für eine Ausbildung und kein Nachweis von Geisterkontakten. Originalarbeit

  2. Luhrmann, Chen, Baumeister und Peters (2023): When Spirit Calls: A Phenomenological Approach to Healthy Voice-Hearers. Schizophrenia Bulletin Open, 4(1), sgad025. Untersuchung von 22 Personen, hilfreich für die Vielfalt der Erfahrungen und ihre kulturelle Einordnung. Keine repräsentative Aussage über alle Medien. Universitäre Publikationsseite mit Abstract und Volltextzugang

  3. Moreira-Almeida und Cardeña (2011): Differential diagnosis between non-pathological psychotic and spiritual experiences and mental disorders. Fachübersicht über mögliche Unterscheidungsmerkmale. Ein Vorschlag zur klinischen Einordnung, kein validierter Selbsttest. Volltext

  4. Krippner (2007): Humanity’s first healers: psychological and psychiatric stances on shamans and shamanism. Historische und fachliche Übersicht. Für kulturelle Rollen und den Wandel psychiatrischer Deutungen geeignet. Keine Gleichsetzung heutiger medialer Angebote mit unterschiedlichen indigenen Traditionen. Volltext

  5. Powers und Corlett (2018): Shamanism and psychosis: Shared mechanisms? Behavioral and Brain Sciences, 41, e83. Theoretischer Kommentar über mögliche gemeinsame Mechanismen. Keine Studie, die eine Heilung durch Initiation untersucht. Abstract

  6. WHO: Schizophrenia. Offizielle Übersicht zu Erkrankung und Behandlung, auch zu Stigmatisierung und Menschenrechten. Faktenblatt

  7. NIMH: Understanding Psychosis. Offizielle Orientierung zu Ursachen, Warnzeichen und frühen Hilfen. Informationsseite

  8. NHS: Symptoms of psychosis. Klinische Beschreibung von Wahrnehmungs- und Denkveränderungen. Informationsseite

  9. WHO (2020): Doing What Matters in Times of Stress. Selbsthilfe zur Stressbewältigung mit Übungen zur Orientierung im gegenwärtigen Erleben. Kein spezielles Behandlungskonzept für Psychosen oder für Medialität. Publikationsseite

  10. NCCIH: Meditation and Mindfulness: Effectiveness and Safety. Evidenzübersicht einschließlich unerwünschter Erfahrungen. Informationsseite

  11. Österreichisches Gesundheitsportal: Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr. Regionale und österreichweite Hilfsangebote. Kontaktübersicht

 

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